200–250 Wale nach Massenstrandung gestorben

Vom 10. bis 12. Feb­ru­ar hat sich am Farewell Spit ein großes Dra­ma abge­spielt: Hun­derte Wale sind ges­tran­det und trotz zahlre­ich­er frei­williger Helfer, die tage­lang uner­müdlich im Ein­satz waren, sind laut Depart­ment of Con­ser­va­tion ca. 200–250 Wale veren­det.

Die Zahlen

Die Zahlen, die ich im Fol­gen­den ver­wende, stam­men alle von der Seite der Naturschutzbe­hörde (Depart­ment of Con­ser­va­tion, DOC). Da es auch für das DOC nicht ein­fach war, zu jede Zeit die genauen Zahlen zu ermit­teln, wurde die Bilanz nachträglich noch ein­mal ein biss­chen angepasst. Wenn also die Sum­men aus den einzel­nen Berichtsab­schnit­ten nicht so ganz aufge­hen, dann hängt das damit zusam­men ;-).

Wie alles begann

In der Nacht vom 9. auf den 10. Feb­ru­ar stran­de­ten 416 Grind­wale nahe Pupon­ga an der Gold­en Bay-Seite des Farewell Spit, an der nord­west­lichen Spitze der Südin­sel. Als die Wale am Fre­itag­mor­gen ent­deckt wur­den, waren bere­it viele der Tiere veren­det.

Das Depart­ment of Con­ser­va­tion, das Project Jon­ah, welch­es sich auf die Ret­tung von Meer­essäugetieren spezial­isiert hat, und über 500 frei­willige Helfer kon­nten mehr als 100 Wale wieder ins Wass­er brin­gen.

Landkarte Farewell Spit

Doch damit war es nicht getan

Noch am sel­ben Tag sind die meis­ten der geretteten Wale erneut ges­tran­det. Am Sam­stag kon­nte erneut ca. 100 Walen ins Wass­er geholfen wer­den; einige von ihnen noch aus der ersten Gruppe, einige wohl auch neu hinzugekom­men. Andere Tiere mussten auf­grund ihres schlecht­en Zus­tands jedoch eingeschläfert wer­den.

Die wieder ins Wass­er gebracht­en Wale wur­den im Wass­er weit­er beobachtet. Schließlich wurde eine weit­ere Wal­herde von ca. 200 Tieren in der Bucht ent­deckt, welche sich mit den geretteten Walen zusam­menge­tan hat, und ca. 100 Leute haben im Wass­er eine Men­schen­kette gebildet, um die Tiere vor dem erneuten Stran­den zu ret­ten.

Doch noch am Sam­sta­gnach­mit­tag sind erneut 200 Wale auf Grund gelaufen, von denen es allerd­ings in der Nacht zu Son­ntag viele wieder alleine mit der Flut ins Wass­er geschafft haben. 17 weit­eren Walen kon­nte dann am Son­ntag­mor­gen ins Wass­er geholfen wer­den, welche mit Booten zurück zur Herde geführt wur­den.

Die Wale und Küsten­ab­schnitte wur­den weit­er im Auge behal­ten und es wurde von zwei Sit­u­a­tio­nen berichtet, in denen Leute ein erneutes Stran­den einzel­ner Wale ver­hin­dert haben. Unter anderem ein deutsch­er Tourist, der von seinem Rad sprang und ins Wass­er lief, um die Tiere davon abzuhal­ten, auf Grund zu laufen :-).

Dien­stag sind noch ein­mal einige Wale ges­tran­det, haben es aber in der Nacht wieder ins Wass­er geschafft. Seit­dem gab es von­seit­en des DOC keine neuen Mel­dun­gen mehr zu Wal­stran­dun­gen.

Explodierende Wale

Nach der Ret­tung der gesun­den Wale ging es dann um die Frage, was mit den veren­de­ten Tiere zu tun ist. Unter anderem wurde eine möglich Explo­sion der Leichen disku­tiert. Die kann tat­säch­lich durch die Gase aus­gelöst wer­den, die im Laufe des Ver­we­sung­sprozess­es entste­hen.

Let­z­tendlich hat man die toten Wale mit Bag­gern in die Dünen, abseits der öffentlich zugänglichen Wege gebracht, sie “ent­gast” und lässt sie jet­zt dort ver­we­sen.

Alles in allem eine wirk­lich trau­rige Geschichte 🙁 Allerd­ings bin ich immer wieder pos­i­tiv über­rascht von der Ein­satzbere­itschaft der Men­schen hier!

Warum sind die Wale gestrandet?

Warum diese Wale ges­tran­det sind, kann bish­er kein­er so genau sagen. Und auch nach weit­eren Unter­suchun­gen wird die genaue Ursache ver­mut­lich nie ein­deutig gek­lärt wer­den kön­nen.

Ein typ­is­ch­er Aus­lös­er ist der große Zusam­men­halt von Wal­her­den. Sind einzelne Wale ver­let­zt oder krank und stran­den, dann lassen die anderen Tiere sie nicht alleine veren­den, son­dern ver­suchen, in der Nähe zu bleiben. Unter Walen hält man zusam­men. Das führt nicht sel­ten zu Massen­stran­dun­gen.

Ein weit­er­er Grund kön­nte das spezielle Ter­rain der Gold­en Bay sein. Die Bucht hat einen recht kleinen Ein- bzw. Aus­gang und dazu noch einen sehr langsam ansteigen­den Strand. Diese Kom­bi­na­tion kann dazu führen, dass die Wale trotz ihres guten Sonar-Sys­tems die Ori­en­tierung ver­lieren. Deshalb gilt die Bucht auch als regel­rechte “Wal­falle” 🙁

Naja und dann ist da noch die Ama­zon War­rior, das weltweit größte Schiff, das zur Durch­führung seis­mis­ch­er Mes­sun­gen (seis­mic blast­ing) einge­set­zt wird. Und das treibt sich zurzeit in neuseeländis­chen Gewässern rum. Dass diese seis­mis­chen Mes­sun­gen das Hörver­mö­gen und die Ori­en­tierungs­fähigkeit von Walen beein­trächti­gen kön­nen, ist ja nun auch keine Neuigkeit mehr.

Drittgrößte Walstrandung seit Beginn der Aufzeichnungen

Dies war die drittgrößte Wal­stran­dung seit Beginn der Aufze­ich­nun­gen im 19. Jahrhun­dert. In 1918 stran­de­ten 1.000 Wale auf den Chatham Islands und 1985 liefen 450 Wale in Auck­land auf Grund.

Sind Grindwale überhaupt Wale?

Bei der Rechereche zu diesem Artikel habe ich wieder was gel­ernt: Grind­wale (auch als Pilot­wale beze­ich­net) sind tat­säch­lich gar keine Wale, son­dern Delfine! Mehr Infos zu diesen inter­es­san­ten Tieren gibt’ hier.


Mehr Infos zu diesem The­ma find­et ihr hier: Depart­ment of Con­ser­va­tion, Stuff, New­shub.

Beitrags­bild aus­nahm­sweise nicht von mir, son­dern von Bernard Spragg.


 

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