Zurück zur Uni — Studieren in Neuseeland

Ich komme lei­der gar nicht so oft dazu, hier zu schreiben, wie ich es gerne würde. Und woran liegt’s? Ich studiere noch mal. Hätte ich auch nicht gedacht, dass es dazu noch mal kommt 🙂 Und vor allem hätte ich nicht gedacht, dass das so stres­sig wird…

Warum noch mal zur Uni?

Irgend­wie hat es sich mit dem Studi­um ein­fach so ergeben. Mein Touri-Visum dro­hte auszu­laufen, ich habe keinen Job gefun­den und da hat sich ein Studi­um ein­fach ange­boten. Also habe ich mich nach Stu­di­engän­gen in meinem Job­bere­ich (Rech­nungswe­sen) umge­se­hen, die ich mir noch irgend­wie leis­ten kon­nte, und nach einigem Hin und Her ist die Entschei­dung dann auf einen ein­jähri­gen Post­grad­u­ate Diplo­ma in Man­age­ment-Stu­di­en­gang mit Schw­er­punkt Finance gefall­en. Und ich kann jet­zt schon mal sagen: ich bin froh, wenn das Jahr zu Ende ist 🙂

Dieses Post­grad­u­ate Diplo­ma ist mit Lev­el 8 so eine Zwis­chen­stufe zwis­chen Bach­e­lor- (Lev­el 7) und Mas­ter-Abschluss (Lev­el 9) im neuseeländis­chen Bil­dungssys­tem; überwacht und eingestuft von der NZQA (New Zealand Qual­i­fi­ca­tions Author­i­ty). Mein deutsches FH-Diplom ist von der NZQA als Bach­e­lor-Abschluss eingestuft wor­den; somit verbessere ich mich jet­zt immer­hin um eine Stufe 🙂

Der Weg zur Einschreibung

Der Weg bis zur Ein­schrei­bung war gar nicht so ein­fach. Zum einen war es teil­weise schwierig, die richti­gen Ansprech­part­ner an der Uni zu erre­ichen und die nöti­gen Infor­ma­tio­nen zu bekom­men. Dann war die Uni dank des Erd­bebens und der anschließen­den Über­schwem­mungen im Novem­ber auch noch ne Weile ges­per­rt…

Die größte Hürde war aber der Spracht­est. Inter­na­tionale Studierende müssen hier näm­lich vor der Ein­schrei­bung erst ein­mal gewisse Ergeb­nisse im IELTS-Test (inter­na­tionaler Englis­cht­est) vor­weisen, wobei die Min­destanforderun­gen von Stu­di­en­gang zu Stu­di­en­gang vari­ieren. Ich musste ins­ge­samt eine 6.5 von max­i­mal möglichen 9.0 erre­ichen und durfte in keinem der vier Teil­bere­iche Sprechen, Lesen, Schreiben und Hören unter 6.0 liegen.

Ich hat­te nur etwas über eine Woche Zeit zur Vor­bere­itung und ich kann euch sagen, das war eine ziem­lich stres­sige Woche… Dem­nächst werde ich noch einen eige­nen Beitrag über den Test schreiben, aber um es schon mal vor­weg zu nehmen: ich habe ihn mit aus­re­ichend gutem Ergeb­nis bestanden 🙂 Auf das Ergeb­nis musste ich allerd­ings auch noch ein­mal zwei Wochen warten. Es hat sich also alles ein biss­chen gezo­gen…

Nach Weit­er­leitung des Ergeb­niss­es an die Uni habe ich dann immer­hin schon mal ganz offiziell einen Stu­di­en­platz ange­boten bekom­men. Die Uni hat auch direkt die Beantra­gung des Stu­den­ten-Visums über­nom­men und so musste ich zur Ein­schrei­bung und Visums-Beantra­gung noch so aller­hand Unter­la­gen mit­brin­gen bzw. per Email senden:

  • Beleg über die Über­weisung der Stu­di­enge­bühren,
  • Kon­toauszug, der min­destens weit­ere $16.500 auf meinem Kon­to nach­weist,
  • Beleg über eine Reise-Kranken­ver­sicherung für den Zeitraum des Studi­ums,
  • Pass­bilder,
  • Nach­weis mein­er Adresse und
  • eine Kopie meines bish­eri­gen Visums.

Und meinen Reisep­a­ss musste ich abgeben!

Danach ging es aber erfreulich schnell: fünf Tage später kon­nte ich meinen Reisep­a­ss samt eingek­lebten Stu­den­ten­vi­sums abholen 🙂

Die Kosten

Ein Studi­um in Neusee­land ist nicht gün­stig. Für Ein­heimis­che nicht und für inter­na­tionale Studierende — also ohne per­ma­nente Aufen­thalts­genehmi­gung oder neuseeländis­che Staats­bürg­er­schaft — schon gar nicht.

Was hat mich das alles so gekostet?

  • Stu­di­enge­bühren für ein Jahr: $19.950
  • Ein­schrei­bungskosten: $200
  • Englis­cht­est: $400
  • Online-Vor­bere­itungskurs für den Englis­cht­est: $50
  • Kranken­ver­sicherung für ein Jahr: $290
  • Visum: $290

Der Trick ist dabei, sich ein­fach so lange noch viel teurere Stu­di­engänge anzuguck­en, bis einem der hier schon regel­recht gün­stig vorkommt 😉

Ich habe übri­gens vor eini­gen Tagen auf der Uni-Web­site gese­hen, dass die Stu­di­enge­bühren sich inzwis­chen um $2.000 erhöht haben. Ich bin also noch richtig gün­stig davon gekom­men 😉

Zum Ver­gle­ich: Für Neuseelän­der kostet der Stu­di­en­gang $5.451!

Erster Eindruck: etwas chaotisch

Mitte Feb­ru­ar ging’s dann mit ner Ein­führungswoche und danach auch direkt mit den Vor­lesun­gen los. Ger­ade zu Beginn war es ziem­lich schwierig, an Infor­ma­tio­nen zu Ein­führungswoche, Vor­lesungs­plan etc. zu kom­men. Ich hat­te eigentlich eine Art Willkom­menspaket mit Infos erwartet (ein Brief hätte es auch getan) oder zumin­d­est Infos auf der Web­site. Gab’s aber bei­des nicht. Emails und Tele­fonate haben mich auch nur in kleinen Schrit­ten vor­ange­bracht, aber nach und nach habe ich die nötig­sten Infos zusam­men­bekom­men und vorgestern haben wir doch tat­säch­lich endlich ein Stu­di­en­hand­buch mit den Infos für die näch­sten bei­den Semes­ter bekom­men.

Der Infor­ma­tions­fluss ist also noch etwas sub­op­ti­mal 😉

Da ich in der Ein­führungswoche auch erst am Nach­mit­tag vor dem let­zten Tag von ein­er Pflicht-Ein­führungsver­anstal­tung für alle inter­na­tionalen Studieren­den erfahren habe und dann schon andere Pläne hat­te, durfte ich let­zte Woche noch zu ein­er nachträglichen Ein­führungsver­anstal­tung zum Haupt-Cam­pus in Porirua gurken. Mit dem Bus sind das fast 1,5 Stun­den. Aber da diese Ver­anstal­tun­gen von der Ein­wan­derungs­be­hörde vorgeschrieben wer­den, kommt da auch kein inter­na­tionaler Stu­dent drum herum 😉 Die Dame, die das Ganze geleit­et hat, war jeden­falls sehr nett und wir kon­nten uns ein biss­chen den Frust hin­sichtlich der man­gel­nden Infor­ma­tion von der Seele reden. Vielle­icht hat das ja den Ver­sand des Hand­buchs aus­gelöst 😉

Zweiter Eindruck: ziemlich stressig

Ger­ade weil das alles nicht so top organ­isiert zu sein scheint, habe ich mir das Studi­um eher entspan­nt vorgestellt. Wir haben auch nur drei Vor­lesun­gen à zweiein­halb Stun­den pro Woche… Na, das war mal ne Fehlein­schätzung!

Das Arbeit­spen­sum ist schon enorm hoch. Der Stu­di­en­gang ist in Trimester mit jew­eils 13 Wochen gegliedert, wovon zumin­d­est in diesem Trimester tech­nisch gese­hen zwei Wochen Ferien sind. Let­z­tendlich wer­den wir die aber auch mit unseren zahlre­ichen assign­ments ver­brin­gen.

Pro Fach sind drei Prü­fungsleis­tun­gen (assign­ments) vorge­se­hen, die haupt­säch­lich aus Hausar­beit­en und Präsen­ta­tio­nen, in einem Fach aber auch z. T. aus Tests beste­hen. In dem Fall set­zt sich eine einzelne Prü­fungsleis­tung aus fünf Tests zusam­men und dann kom­men noch eine ziem­lich umfan­gre­iche Grup­pen-Hausar­beit und die Präsen­ta­tion der Arbeit hinzu.

Ins­ge­samt ste­hen in diesen 13 Wochen fünf Tests, sechs Hausar­beit­en und zwei Präsen­ta­tio­nen an. Bei der Hälfte der Arbeit­en ist Tea­mar­beit ange­sagt. Für alle assign­ments müssen wir unheim­lich viel lesen. Wenn wir uns darüber bekla­gen, bekom­men wir nur als Antwort: “Willkom­men im Post­grad-Studi­um” 🙁

Also ihr seht: mir wird bes­timmt nicht lang­weilig 😉 Ich bin so beschäftigt, dass ich noch nicht mal Zeit finde, mich nach ’nem Neben­job umzuse­hen. Das muss jet­zt bis zu den Ferien warten…

Immer­hin haben wir jet­zt in dem Hand­buch ent­deckt, dass wir auch zwis­chen den Trimestern noch jew­eils zwei Wochen Ferien haben. Das sind dann wenig­stens mal echte Ferien ohne Hausar­beit­en, die geschrieben wer­den wollen 🙂 Da ging ein großer Jubel durch die Studieren­den-Gruppe 🙂

Meine Kommilitonen

Was wirk­lich unge­wohnt, gle­ichzeit­ig aber auch ziem­lich schön ist: wir sind nur sechs Studierende in diesem Stu­di­en­gang! In der ersten Woche waren wir nur zu dritt, aber in den zwei darauf­fol­gen­den Wochen sind dann noch drei Leutchen eingetrudelt, bei denen sich die Bear­beitung des Visums etwas hinge­zo­gen hat.

Wir sind alle inter­na­tionale Studierende und die anderen fünf kom­men aus Chi­na, Malaysia, Indi­en und Sri Lan­ka. Und auch unsere Lehrer (die wer­den hier als lec­tur­er und nicht als Pro­fes­soren beze­ich­net) sind unter­schiedlich­er Herkun­ft: aus Eng­land, der Türkei und ein­er ist tat­säch­lich ein gebür­tiger Kiwi. Also ins­ge­samt eine echte Mul­ti-Kul­ti-Gruppe 🙂

Meine Kom­mili­to­nen sind alle ganz nett und ger­ade mit den bei­den Mädels aus der ersten Woche ver­ste­he ich mich beson­ders gut.

Dadurch, dass wir so eine kleine Gruppe sind, haben wir auch eher Sem­i­nare als Vor­lesun­gen. Zum Teil mit deut­lich mehr Inter­ak­tiv­ität als mir lieb ist. Ich sage nur Rol­len­spiele 🙁 Ich war bish­er schon CEO ein­er Fir­ma, die hier in Neusee­land ihre Fab­rik schließt, und deswe­gen eine Pressekon­ferenz hält, und Umwel­t­ex­per­tin eines Teams, das den Stad­trat hin­sichtlich der Restau­rierung der Kais in der Umge­bung Welling­tons berät 😉

Studieren in Neuseeland: Bisheriges Fazit

Das Studi­um ist deut­lich stres­siger, als ich es mir vorgestellt habe und als es mir lieb ist. Aber immer­hin ist es inhaltlich inter­es­sant und die Leute sind nett. Und das Ende ist mit Mitte Dezem­ber ja schon in Sicht 🙂

Ich gehe davon aus, dass das Studi­um meine Chan­cen auf dem Job­markt verbessern wird und so oder so lerne ich ’ne Menge. Und meinem Englisch kann’s auch nur gut tun 🙂


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