1 Jahr Neuseeland — Eine erste Bilanz

Let­ztes Woch­enende war es tat­säch­lich schon so weit: Ich habe mein ein­jähriges Jubiläum in Neusee­land gefeiert 🙂 Das ist wohl ein guter Zeit­punkt, um eine erste Bilanz zu ziehen…

Nach monate­langer Vor­bere­itung und Vor­freude war es am 3. April 2016 endlich so weit: Ich bin in den Flieger Rich­tung Neusee­land gestiegen. Am 5. April bin ich zunächst in Syd­ney angekom­men und nach einem viertägi­gen Aufen­thalt dort ging’s dann am 9. April nach Christchurch. Mit einem Kof­fer und zwei Ruck­säck­en und ohne konkreten Plan über die näch­sten zwei Wochen hinaus…

Was habe ich seitdem erlebt?

Ich bin vier Monate lang mit meinem Kiwimo­bil über die Südin­sel gereist, viel gewan­dert, mit Delfinen geschwom­men, mit einem Hub­schrauber auf einen Gletsch­er geflo­gen und dort mit Steigeisen über’s Eis gelaufen. Ich habe eine Under­worl­draft­ing-Tour sowie Boot­s­touren zum Mil­ford und Doubt­ful Sound und in die Marl­bor­ough Sounds mit­gemacht. Und auch darüber hin­aus habe ich so viele ver­schiedene schöne Land­schaften und inter­es­sante Tiere gesehen!

Außer­dem habe ich an zwei Foto-Work­shops teilgenom­men und hat­te reich­lich Gele­gen­heit, diesem neuen Hob­by nachzugehen.

In den vier Wochen, in denen ich ein Haus samt Katzen, Schafen und Hüh­n­ern gehütet habe, kon­nte ich dann auch noch das neuseeländis­che Landleben ken­nen ler­nen. Und habe dabei fest­gestellt, dass das zwar auch seine schö­nen Seit­en hat, ich let­z­tendlich aber eben doch ein Stadt­men­sch bin 🙂

Seit August let­zten Jahres wohne ich deswe­gen auch in Welling­ton, der neuseeländis­chen Haupt­stadt, in die ich mich ger­adezu ver­liebt habe.  Auf zwei kleineren Touren über die Nordinsel kon­nte ich immer­hin schon mal einige Gegen­den auf dieser Insel erkun­den. Da sind aber auch noch ein paar Fleckchen, die ich noch nicht gese­hen habe.

Jet­zt bin ich aber erst mal schw­er mit meinem Studi­um beschäftigt, das mit etwas ander­er Struk­tur und fremder Sprache auch eine neue Erfahrung ist.

Alleine durch Neuseeland

In den ersten paar Monat­en habe ich das Allein­reisen für mich ent­deckt. Ich bin nie zuvor alleine in den Urlaub gefahren. Aber diese Zeit, so ganz alleine unter­wegs mit meinem Camper­van, völ­lig unab­hängig und selb­st­bes­timmt, die war schon etwas ganz Besonderes 🙂

Ich habe mich immer sich­er gefühlt und hat­te nie Schwierigkeit­en, Men­schen ken­nen zu ler­nen. Die Kiwis an sich sind eh kon­tak­t­freudig und auf den Camp­ing­plätzen kommt man auch schnell mit anderen Touris ins Gespräch. Vor allem mit denen, die nicht als Pärchen unter­wegs sind 😉

Ich kann euch nur empfehlen: pro­biert es mal aus 🙂

Die Menschen

In dem Jahr hier habe ich so unglaublich viele nette und hil­fs­bere­ite Men­schen ken­nen­gel­ernt! Das ging direkt am ersten Tag los mit meinen ersten Airbnb-Hosts, mit denen ich inzwis­chen befre­un­det bin, und Steve, den ich über eine Face­book-Gruppe ken­nen­gel­ernt habe und der mir in den ersten Wochen und Monat­en mit Rat und Tat zur Seite stand.

Als ich Clare besucht habe, für die ich einige Wochen später das Haus hüten sollte, hat der Motor meines Kiwimo­bils seinen Geist aufgegeben und sie hat mich für zwei Wochen bei sich wohnen lassen und mich bei der ganzen Abwick­lung mit den Mechanikern unter­stützt. Auch mit ihr bin ich immer noch in Kontakt 🙂

In Dunedin hat­te ich in ein­er Face­book-Gruppe nach Leuten zum Aus­ge­hen gesucht und die liebe Son­ja hat sich gemeldet und mich zum Aben­dessen zu sich nach Hause ein­ge­laden. Seit­dem sind wir befreundet 🙂

Und so hat sich eine pos­i­tive Erfahrung an die andere gerei­ht. Bei den diversen Touren, auf den Camp­ing­plätzen und über­haupt im All­t­ag habe ich mich mit so vie­len unter­schiedlichen Men­schen unter­hal­ten und dabei immer wieder inter­es­sante Geschicht­en gehört.

Seit ich hier in Welling­ton bin, habe ich mir einen tollen Fre­un­deskreis aufge­baut, der völ­lig ent­ge­gen meines ursprünglichen Plans zur Hälfte aus Deutschen beste­ht. Eigentlich wollte ich gar keinen Kon­takt zu Deutschen; dafür komme ich ja nicht ans andere Ende der Welt. Aber irgend­wie hat es sich dann eben doch so ergeben 🙂

Erste Besucher aus Deutschland

Im Dezember/Januar hat­te ich schon die ersten Besuch­er aus Deutsch­land: Meine Mut­ter ist zusam­men mit ein­er Fre­undin nach Neusee­land gekom­men und wir sind für fast zwei Wochen zusam­men durch’s Land gereist, bevor die Bei­den alleine weit­erge­fahren sind. Das war schon klasse 🙂

Und die näch­sten Besuch­er haben sich schon angekündigt. Zum einen will meine Mut­ter direkt im näch­sten Jahr wiederkom­men, was ich wirk­lich toll finde 🙂

Außer­dem wird mein Brud­er in ein ähn­lich­es Aben­teuer wie ich hier in Neusee­land starten und ich bin wirk­lich ges­pan­nt, wo die Reise für ihn hingeht.

Und dann plant sog­ar ein Fre­und, der bish­er der totale Reise­muf­fel war, zusam­men mit sein­er Fre­undin eine Reise durch Neusee­land. Wenn das mal nicht der gute Ein­fluss der Fre­undin ist 😉

Ich freue mich jeden­falls schon riesig auf meine Besuch­er. Und im näch­sten Jahr würde ich dann gerne auch mal der Heimat einen Besuch abstat­ten. Mal guck­en, ob das so hinhaut…

Materielle Bilanz

Rein materiell gese­hen war das Jahr natür­lich ein Totalver­lust. Bevor das ganze Aben­teuer begann, hat­te ich eine schöne (Miet-)Wohnung mit ein­er mühevoll zusam­mengestell­ten Ein­rich­tung (u. a. meinen geliebten 4‑Me­ter-Klei­der­schrank), ein einiger­maßen gefülltes Bankkon­to, einen nicht so schlecht bezahlten Job und ein Auto.

Jet­zt ist der Großteil meines Hab und Guts verkauft oder ver­schenkt, meine finanziellen Reser­ven neigen sich dem Ende zu, ich wohne in einem kleinen WG-Zim­merchen (mit einem 1m-Klei­der­schrank 😉 ) und habe kein Auto mehr.

Aber was soll ich sagen… ich habe seit einem Jahr nicht mehr gear­beit­et, lebe am anderen Ende der Welt, habe in diesem Jahr so viel erlebt… Und bin glücklich 🙂

Ich bin tat­säch­lich froh, den ganzen materiellen Bal­last los zu sein. Ich besitze ein paar kleine Möbel­stücke im Wert von zusam­men unge­fähr $100, einen Lap­top, eine Kam­era mit ein paar Objek­tiv­en, ein Handy und einiges an Klam­ot­ten. Ein Umzug wäre jed­erzeit so ein­fach möglich. Und zwar egal, ob inner­halb des Lan­des oder mal wieder an ein anderes Fleckchen der Erde. Das ist Freiheit 🙂

Heimweh

Echt­es Heimweh habe ich bish­er nicht gehabt. Ich finde es natür­lich schade, Fam­i­lie und Fre­unde in Deutsch­land nicht mehr so ein­fach und oft sehen zu kön­nen, wie das früher der Fall war. Dank Skype, E‑Mails etc. fühlen sie sich dann aber eben doch nicht mehr so weit weg an, was wirk­lich hil­ft. Ich freue mich auf meinen hof­fentlich baldigen Besuch in Deutsch­land, aber zurück will ich nicht.

Fazit und Ausblick

Das Faz­it ist ziem­lich ein­fach: Nach Neusee­land zu gehen war die beste Entschei­dung meines Lebens und ich habe sie noch nicht einen Moment lang bereut 🙂

Die Idee, ein fremdes Land so richtig ken­nen zu ler­nen — nicht nur in einem zwei­wöchi­gen Urlaub, son­dern so richtig mit der Her­aus­forderung, sich ein neues Leben aufzubauen — hat mich schon lange gereizt. Und sie reizt mich immer noch. Ich habe schon weit­ere Län­der und Städte im Auge, in die ich gerne mal für einige Zeit gehen würde, ein­fach um Land und Leute richtig ken­nen zu lernen.

Aber erst mal erfreue ich mich weit­er an meinem neuen Leben in Neusee­land. Es ist ja noch weit davon ent­fer­nt, lang­weilig zu wer­den 🙂 Es gibt so viele kleine Dinge im All­t­ag, die ein biss­chen anders als in meinem alten Leben in Deutsch­land sind und die mich immer wieder daran denken lassen, wie toll es eigentlich ist, dass ich jet­zt hier bin 🙂 Das kann der so lieb gewonnene Kiwi-Akzent sein oder das unfass­bar laute Zir­pen der Grillen, die einzi­gar­ti­gen Geräusche der Tuis (so ziem­lich die einzi­gen Vögel, die ich an ihren Laut­en erkenne), der Besuch im Dairy (Tante-Emma-Laden) um die Ecke, die fre­undlichen Men­schen, so viele lieb gewonnene Eck­en hier in Welling­ton und und und…

Wie ihr in dieser Zusam­men­fas­sung sehen kön­nt, warten noch ganz viele Geschicht­en darauf, hier erzählt zu wer­den. Ich hoffe wirk­lich, in näch­ster Zeit wieder etwas öfter dazu zu kommen 🙂


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2 Antworten auf „1 Jahr Neuseeland — Eine erste Bilanz“

  1. Nach dem erwartet pos­i­tiv­en Faz­it fällt es mir nicht schw­er, dir von ganzem Herzen zu wün­schen, dass du weit­er­hin dein neues Leben in Neusee­land genießen, deine Vorstel­lun­gen real­isieren und ein möglichst glück­lich­es Leben in einem sehr schö­nen Land, zusam­men mit lieben Men­schen führen kannst…! Das Aben­teuer Kiwi­land hat sich also jet­zt schon gelohnt und mün­det wohl ins Aben­teuer Leben in Neusee­land…! ALLES GUTE dafür!!!
    Für die Ein­sicht, dass WENIGER auch MEHR bedeuten kann, hat dein Vater lei­der sehr viel länger gebraucht…

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