Denniston Plateau — Besuch eines Romanschauplatzes

Ich habe ger­ade mal wieder in alten Fotos gestöbert und bin dabei auf einen Aus­flug gestoßen, den ich euch nicht voren­thal­ten will. Nach­dem ich schon so einige Neusee­land-Romane gele­sen habe, war es näm­lich ein beson­deres High­light, vor einiger Zeit den Schau­platz des Romans “Den­nis­ton Rose” von Jen­ny Pat­trick besuchen zu kön­nen 🙂

Denniston Rose

Die Geschichte spielt in den 1880ern auf dem Den­nis­ton Plateau an der West­küste der Südin­sel, ca. 15 km östlich von West­port. Dort oben, 600 Meter über dem Meer­esspiegel, befind­et sich eins der größten und hochw­er­tig­sten Kohle­flöze Neusee­lands, aus dem zwis­chen 1879 und 1967 unge­fähr 12 Mil­lio­nen Ton­nen Kohle abge­baut und runter ins Tal zur Eisen­bahn trans­portiert wur­den.

Der Roman erzählt von dem rauen Leben in der aus Hüt­ten, Zel­ten und Saloons zusam­mengewür­fel­ten Bergar­beit­er­sied­lung. Auf dem Plateau gele­gen, führt der einzige Weg in die Sied­lung (oder her­aus) über die Kohlewa­gen, die an Draht­seilen über Schienen den steilen Abhang her­aufge­zo­gen bzw. her­abge­lassen wer­den.

Kohlewagen auf Schienen vor Abgrund

Die unter­schiedlich­sten Gestal­ten krabbeln dort oben aus den Kohlewa­gen: gescheit­erte Gold­such­er, Män­ner auf der Flucht vor ein­er Frau oder dem Gesetz, und Schlim­meres. Diese müssen mit qual­i­fizierten englis­chen Bergar­beit­ern zusam­men arbeit­en und da sind Kon­flik­te natür­lich vor­pro­gram­miert.

In ein­er stür­mis­chen Nacht kommt die fün­fjährige Rose mit ihrer Mut­ter in dieser chao­tis­chen Sied­lung an. Kein­er weiß, was die Mut­ter an diesen ungastlichen Ort getrieben hat, aber man ist sich einig, dass es eine Verzwei­flung­stat war. Genau­so wie mit dem Trunk­en­bold des Dor­fes zusam­men zu kom­men. Doch sie hat ihre Gründe und Pläne…

Die kleine Rose ist sich in diesem rauen und oft aggres­siv­en Umfeld die meiste Zeit selb­st über­lassen. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen und gewin­nt mit ihrer leb­haften Art schnell die Herzen der Bewohn­er. Und Leser 🙂

Beim Lesen des Buch­es kon­nte ich mich richtig in das harte Leben dort oben hinein­ver­set­zen. Defin­i­tiv eine Leseempfehlung, wenn ihr euch für Geschicht­en aus dieser Zeit inter­essiert! Die Krö­nung war für mich, den Schau­platz besuchen und mir das so alles noch viel bess­er vorstellen zu kön­nen 🙂

Ausflug zum Denniston Plateau

Heutzu­tage muss man sich zum Glück nicht mehr die Fahrt mit dem Kohlewa­gen antun, um auf das Plateau zu gelan­gen 😉 Eines Win­tertages habe ich mich stattdessen ganz gemütlich mit dem Auto über die kur­ven­re­iche Straße hin­aufgeschraubt. Es war eine ziem­lich ein­same Aut­o­fahrt und auch oben angekom­men, bin ich kein­er Men­schenseele begeg­net.

In den wärmeren Monat­en kon­nte man bis let­ztes Jahr Touren in die Mine buchen, die aber (vor­erst) wegen neuer Sicher­heits­bes­tim­mungen eingestellt wur­den 🙁 Im Som­mer stelle ich es mir dort oben belebter, aber dadurch auch weniger span­nend vor. So ganz alleine und im immer dichter wer­den­den Nebel war es schon eine ganz spezielle Atmo­sphäre!

Denniston Plateau im NebelAussichtsplattform im Nebel

Auf eigene Faust kann man ein­fach ein biss­chen auf dem Berg­w­erks­gelände rum­laufen, wo man immer noch Überbleib­sel wie Schienen und Kohlewa­gen und außer­dem einiges an Info­ma­te­r­i­al find­et.  Auch wenn man so wie ich aus dem Ruhrge­bi­et kommt und mit Berg­w­erks­geschichte aufgewach­sen ist, kann das noch inter­es­sant sein 😉

Rostige Überbleibsel am Denniston Pleateau im Nebel Rostiges Überbleibsel am Denniston PLateau Historische Bilder des Denniston PlateausZuganlage auf dem Denniston Plateau

Ich kon­nte auch noch einen kleinen Spazier­gang durch’s Grün machen und sog­ar einen Wasser­fall gibt es da oben zu bewun­dern. Irgend­wann wurde mir der immer dichter wer­dende Nebel aber doch zu unheim­lich und ich habe mich lieber wieder runter ins Tal verkrümelt 😉

Grüngürtel auf dem Denniston Plateau Wasserfall auf dem Denniston Plateau

Fazit

Wenn ihr das Buch gele­sen habt, es lesen wollt oder euch ein­fach für Berg­bau und Geschichte inter­essiert, dann kann ich den Abstech­er auf’s Den­nis­ton Plateau auf jeden Fall empfehlen. Vor allem für einen ein­samen Besuch im Win­ter. Wenn ihr aber nur schnell in 3 Wochen durch’s Land düst und möglichst viele High­lights mit­nehmen wollt, dann würde ich es ver­mut­lich nicht auf die Liste pack­en 😉


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